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Blau & Rot

Das The­ma »Aus dem Tage­buch der ver­pass­ten Chan­cen« für den FÖN-Kunstpreis #4 (www.allesfoen.de) inspi­rier­te mich auch zu einer wei­te­ren Arbeit.


Das Leben ist eine Anein­an­der­rei­hung von Momen­ten, in denen wir uns ent­schei­den müs­sen. Wie soll es wei­ter gehen? Was ist für mich jetzt gera­de wich­tig? Wäre es anders bes­ser gewe­sen? Dar­aus ergibt sich der wei­te­re Weg: Wir wäh­len eine Rich­tung und gleich­zei­tig ent­fer­nen wir uns von den ande­ren, nicht gewähl­ten Mög­lich­kei­ten, aber bewe­gen uns in jedem Fall einen Schritt nach vorn. Oder es pas­siert etwas, wo ein paar Wahl­mög­lich­kei­ten weg bre­chen. Oder… oder… oder…
Das Objekt zeigt einen Aus­schnitt aus dem Leben zwei­ter Men­schen, eine abs­trak­te Geschich­te, ein visu­el­les Tage­buch. Da, wo sie sich ent­schei­den müs­sen (oder ent­schei­den könn­ten, wären sie dort hin gelangt), habe ich einen Nagel ein­ge­schla­gen, damit sie ihren Lebens­weg, die Gesamt­heit der genutz­ten Chan­cen, dar­um legen kön­nen. Es ent­steht eine Kar­te, ein chao­ti­sches Mus­ter zwi­schen Annä­he­rung und Dis­tan­zie­rung, Begeg­nung und Ver­stri­ckung (!), ein­sa­mer und gemein­sa­mer Wege. Nicht genutz­te Chan­cen blei­ben unent­deck­tes Land. Ver­pass­te Chan­cen sind ärger­li­ch, aber nur für eine kur­ze Wei­le: Die Zeit schafft stän­dig neue Chan­cen, neue Ent­schei­dun­gen. Je öfter wir über die nicht genutz­ten oder ver­pass­ten Chan­cen nach­den­ken, desto weni­ger küm­mern wir uns um das Hier und Jetzt — und ver­ir­ren uns gedank­li­ch in unent­deck­ten Berei­chen der Mög­lich­kei­ten.

Das Objekt besteht aus einem Brett, die Ver­klei­dung und die Figu­ren aus Pass­par­tout­pap­pe, gefühl­ten 150 Nägeln und Wol­le aus dem Alfatex-Laden.

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letzte Änderung: 14.10.2015, 15:55 Uhr