Generative Fotocollage ’Erfurt’

Die­se Col­la­ge begann ich nach der Ent­wick­lung eines Algo­rith­mus, der eine gege­be­ne Recht­eck­flä­che anhand eines Steue­rungs­bil­des rekur­siv unter­teilt. Das Ver­fah­ren nann­te ich »bild­ba­sier­te rekur­si­ve Flä­chen­tei­lung« (s. u.). Das Steuerungs‐Bild, mit wel­chem der Algo­rith­mus das Ras­ter gene­riert, ist hier das oben gezeig­te Schwarz‐Weiss‐Bild mit dem Schrift­zug »Erfurt«.
Den ein­zel­nen Ras­ter­flä­chen wur­den dann nach und nach mit einem eigens dafür ent­wi­ckel­ten Edi­tor mit ca. 1250 Auf­nah­men aus Erfurt und Umge­bung gefüllt. Dabei han­delt es sich um Ansich­ten, die es nicht mehr gibt, Details man­cher Gebäu­de, unge­wöhn­li­che Per­spek­ti­ven sowie eini­ge Ver­an­stal­tun­gen, die ich besuch­te. Allein des­halb zog sich das Fül­len des Ras­ters so lan­ge hin: Die Fotos muss­ten ja auch erst­mal ent­ste­hen. Die ältes­ten Bil­der von 2006 bele­gen dabei die größ­ten Flä­chen und ich arbei­te­te mich dann immer näher an den Schrift­zug »Erfurt« her­an — dort sind die jüngs­ten Fotos von 2011 und 2012 unter­ge­bracht.

Die Fer­tig­stel­lung erfolg­te des­halb 2012, weil ich im Rah­men der Fei­er­lich­kei­ten zum 15jährigen Bestehen des Ver­eins »ANNAKRAM e. V.« die Chan­ce bekam, mich damit an einer Aus­stel­lung im Rat­haus Erfurt zu betei­li­gen. Dafür ord­ne­te ich die letz­ten 300 Fotos in ver­blie­be­ne lee­re Ras­ter­flä­chen zu. End­spurt sozu­sa­gen. Um den Schrift­zug selbst her­vor­zu­he­ben, erstell­te ich aus dem Steue­rungs­bild (s. o.) eine leuch­tend grü­ne Ver­si­on und wies die­se allen Ras­ter­flä­chen der kleins­ten Stu­fe zu — das waren etwas mehr als 3000.

 

Algorithmus

Um das Ras­ter für die Fotos zu erzeu­gen, habe ich einen Algo­rith­mus ent­wi­ckelt, der eine gege­be­ne Recht­eck­flä­che abhän­gig von einer gege­be­nen Lini­en­gra­fik fort­lau­fend in klei­ne­re Recht­eck­flä­chen unter­teilt. Die ent­ste­hen­den Ras­ter­flä­chen wer­den immer klei­ner, je näher sie der Lini­en in der zugrun­de­lie­gen­den Gra­fik kom­men. Ich nen­ne das »Bild­ba­sier­te rekur­si­ve Flä­chen­tei­lung«.

Bild­ba­siert bedeu­tet, dass der Algo­rith­mus ein Bild ver­wen­det, um abhän­gig von des­sen Pixel­far­be Ent­schei­dun­gen zu tref­fen: Wei­ter unter­tei­len oder nicht.

rekur­siv bedeu­tet, dass die Auf­tei­lung nicht nur für die Aus­gangs­flä­che, son­dern auch für die ent­ste­hen­den Tei­le in glei­cher Wei­se erfolgt. Die Funk­ti­on, wel­che die Auf­tei­lung errech­net, ruft sich sozu­sa­gen selbst auf.

Flä­chen­tei­lung bedeu­tet, dass eine gege­be­ne Aus­gangs­flä­che in klei­ne­re Flä­chen ein­ge­teilt wird. Es ent­steht ein Ras­ter für Fotos unter­schied­li­cher Grö­ße: Je näher an der Linie, des­to klei­ner.

Die­sen Algo­rith­mus ent­wi­ckel­te ich Anfang 2007 aus der Idee her­aus, für eine Col­la­ge aus den sich bis­her ange­sam­mel­ten Erfurt‐Fotos. Ich möch­te die Funk­ti­ons­wei­se anhand eines Bei­spiels erklä­ren.

Gege­ben ist

  • das Steue­rungs­bild rechts
  • und die Grö­ße der zu unter­tei­len­den Aus­gangs­flä­che, z. B. 900 x 600 mm.

Das Steue­rungs­bild, was auf die Aus­gangs­flä­che deckungs­gleich pro­ji­ziert wird (also hier auf 900 x 600 mm), ent­schei­det, ob ein Qua­drant wei­ter unter­teilt wird oder nicht. Dar­aus erge­ben sich fol­gen­de Regeln für den Algo­rith­mus:

  1. Wenn wei­ße Pixel inner­halb der Aus­gangs­flä­che sind: Aus­gangs­flä­che in 4 Qua­dran­ten tei­len
  2. Wenn Rekur­si­ons­tie­fe noch nicht erreicht ist: Für jeden der 4 Qua­dran­ten: Aus­gangs­flä­che = Qua­drant und 1. jeweils aus­füh­ren.

Bild­lich sieht das etwa so aus:

Wie Sie sehen kön­nen, wächst die Anzahl der Ras­ter­flä­chen sehr schnell mit stei­gen­der Rekur­si­ons­tie­fe an. Dar­aus erge­ben sich die vie­len mög­li­chen Flä­chen für Fotos.

Sven

Sven Wachsmuth wurde 1978 geboren, ist in Emleben bei Gotha aufgewachsen, wohnt seit 2003 in Erfurt. Er experimentiert seit Anfang der 1990er sowohl mit den kreativen Dingen, die man so mit einem Computer anstellen kann als auch mit traditionellen Techniken wie Schreiben, Zeichnen, Fotografie und Modellbau. Inspiration findet er in der Natur und der Geometrie. mehr erfahren

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