’Deine Chance verstreicht vielleicht’

Mit die­sem dyna­misch beleuch­te­ten, spie­geln­den Objekt habe ich mich an der Aus­stel­lung zum FÖN‐Kunstpreis #4 betei­ligt.

Ver­pass­te Chan­cen wer­den erst im Nach­hin­ein als sol­che wahr­ge­nom­men — erst beim Blick zurück. Doch ber­gen die­se auch den »Samen« für Neu­es: Eine Tür geht zu — eine wei­te­re (oder meh­re­re) dafür auf. Ich dach­te dar­über nach, wie ich den Anfang die­ser Kau­sal­ket­te dar­stel­len kann, also wann eine ver­pass­te Chan­ce für jeman­den zu einer sol­chen wird und was dar­aus Neu­es ent­steht.
Kern­stück des Objek­tes sind zwei Spie­gel, die im rech­ten Win­kel zuein­an­der ange­ord­net sind und dem Betrach­ter erlaubt, sich selbst sei­ten­rich­tig gegen­über­zu­ste­hen: Ein Dia­log mit sich selbst. Die Wor­te »Dei­ne« und »Chan­ce« sind fest ver­bun­den mit des­sen Spie­gel­bild und erst in ihm les­bar. Unten blickt das Objekt selbst mit einem eige­nen Gesicht zurück und ver­folgt den Betrach­ter dies­seits und jen­seits der Spie­ge­le­be­nen mit den Augen — »ver­streicht« steht dar­über. Mit »ver­streicht« mei­ne ich die Dyna­mik der Zeit — Ange­fan­gen mit dem Moment des Betrach­tens, der Selbst­re­fle­xi­on bis hin zu dem Punkt, wo man plötz­lich alles in einem neu­en Licht sieht — um dar­aus wie­der Hoff­nung und Kraft schöp­fen zu kön­nen. Und die­ses »neue Licht« in Form sich stets ver­än­dern­der Far­ben und Schat­ten fällt hier auf das etwas außer­halb ange­brach­te Wort »viel­leicht«.

Mein ers­ter Gedan­ke zum The­ma des Wett­be­werbs »Aus dem Tage­buch der ver­pass­ten Chan­cen« war, dass ich mich frag­te, wo es anfängt — wann ist der Zeit­punkt, wo zweigt sich das Schick­sal so auf, dass man das Eine tut wäh­rend man das Ande­re ver­passt. Idee war, mit zwei Spie­geln eben den Betrach­ter mit ein­zu­be­zie­hen, und zwar so, dass er sich qua­si selbst gegen­über steht. Nun, einen Preis habe ich damit nicht gewon­nen — es gab sehr vie­le ande­re gute Bei­trä­ge — aber einen Platz im Aus­stel­lungs­ka­ta­log und in der Erin­ne­rung so man­cher Besu­cher ist mir jedoch sicher 😉 Ich wür­de nicht sagen, ich hät­te da eine Chan­ce ver­passt. Ganz im Gegen­teil!

Hier gibt es noch ein paar Impres­sio­nen vom Bau des Objekts:

 

Sven

Sven Wachsmuth wurde 1978 geboren, ist in Emleben bei Gotha aufgewachsen, wohnt seit 2003 in Erfurt. Er experimentiert seit Anfang der 1990er sowohl mit den kreativen Dingen, die man so mit einem Computer anstellen kann als auch mit traditionellen Techniken wie Schreiben, Zeichnen, Fotografie und Modellbau. Inspiration findet er in der Natur und der Geometrie. mehr erfahren

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