Karfreitag und der stillstehende Rummel

Heu­te ist Kar­frei­tag. Die­ser Oster­fei­er­tag gehört zu den »stil­len Tagen«, die von Geset­zes wegen mit Ein­schrän­kun­gen von lär­men­den Akti­vi­tä­ten ver­bun­den sind, damit die Men­schen sich selbst beim inne­ren Dia­log end­lich mal wie­der ver­ste­hen kön­nen.

Der Anblick des Dom­plat­zes mit all den tol­len Din­gen, die gemacht wur­den, um zu unter­hal­ten, um sich gegen­sei­tig mit Auf­merk­sam­keit zu über­trump­fen — bunt, schrill, leuch­tend, schnell, hoch hin­aus und gigan­tisch sind — schrien still nach Leu­ten. Bereit für Tau­sen­de, die ihr Ver­gnü­gen suchen und auch fin­den. Aber der Kar­frei­tag fällt kom­plett aus der Zeit.

Der Ort, der nor­ma­ler­wei­se für das Schnel­ler, Wei­ter, Höher und für den Kick steht, wur­de für einen Tag Kulis­se zum bewuss­ten Ent­schleu­ni­gen. Die­se Zwangs­pau­se habe ich ver­sucht, foto­gra­fisch fest­zu­hal­ten. Der Dom­platz wirkt wie eine mys­ti­sche Kulis­se, als wäre nichts davon real. Unbe­nutz­tes gro­ßes Spiel­zeug in einem rie­si­gen Kin­der­zim­mer. Oder ein Frei­licht­mu­se­um. Nur weni­ge Leu­te schlen­der­ten durch die Gän­ge, die dadurch viel grö­ßer wirk­ten und geräu­mi­ger. So bil­de­te da auch Raum und Zeit eine Ein­heit.

Sven

Sven Wachsmuth wurde 1978 geboren, ist in Emleben bei Gotha aufgewachsen, wohnt seit 2003 in Erfurt. Er experimentiert seit Anfang der 1990er sowohl mit den kreativen Dingen, die man so mit einem Computer anstellen kann als auch mit traditionellen Techniken wie Schreiben, Zeichnen, Fotografie und Modellbau. Inspiration findet er in der Natur und der Geometrie. mehr erfahren

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