Opensea-Profil „entkorkt“

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https://opensea.io/svenspagesart – so lautet die Adresse meines neuen Profils auf Opensea.io, wo ich künftig ausgewählte digitale Werke als sogenannte NTFs in bestmöglicher Qualität ausstellen möchte. Heute habe ich es geschafft, die Initialisierung durchzuführen. Die NFTs können nun gehandelt werden.

Seit gut einem Jahr hörte und las ich immer wieder etwas spannendes über die Möglichkeit, digitale Inhalte in der Cryptowelt als Unikate zu verkaufen. Anfang Oktober fing ich an, mich damit zu befassen.

Hier möchte ich ein wenig meine Erfahrungen schildern.

Was sind NFTs?

NFT ist die Abkürzung für non fungible token. Non fungible heißt nicht austauschbar, also auch nicht greifbar. Token ist eine Werteinheit – also das, was den Wert darstellt. Zum Beispiel ein digitales Kunstwerk.

Ein weiteres Beispiel aus dem realen Leben wäre eine Immobilie. Jede Gemeinde führt Grundbücher, wo der Besitz von Gebäuden und Grundstücken öffentlich zugänglich eingetragen ist. Im Prinzip kauft man nicht das Haus, sondern diesen notariell beglaubigten Eintrag im Grundbuch, der einen für jeden als rechtmäßigen Besitzer ausweist. 

In der Welt der NFTs übernimmt die sogenannte Blockchain die Rolle des Grundbuchs und das Ethereum-Netzwerk, welches alle Transaktion durch kryptografische Technologien legitimiert, den Notar. Beim Kauf eines NFTs wird der Besitzer geändert und dieser Umstand in der öffentlichen Ethereum-Blockchain verewigt. Der Besitzer ist zum Weiterverkauf berechtigt. Auf etherscan.io kann man jederzeit die Besitzverhältnisse nachvollziehen.

Ein digitales Kunstwerk kann beliebig kopiert werden – aber den beglaubigten Eintrag in der Blockchain bei der Erstellung des NFT gibt es nur einmal.

Das Logo von opensea.io

Opensea – mein Eingang in die Ethereum-Welt

Nach Recherche im Internet und Studium diverser Tutorials entschied ich mich für die Handelsplattform Opensea, welches das kostenlose Anlegen dieser NFTs ermöglicht. Das heißt, man kann Dateien in sein Profil hochladen und dann wird in der Ethereum-Blockchain ein neuer Eintrag erzeugt, dass man selbst der Besitzer ist. Minting wird das genannt.

Die Eintrittskarte in die Ethereum-Welt ist eine sogenannte Wallet.

Eine Wallet ist ein Speicherplatz für Kryptomünzen (Coins), welcher mit zwei Schlüsseln geschützt wird: Der öffentliche Schlüssel ist gleichzeitig die “Kontonummer” und der dazu passende private Schlüssel wird beim Erstellen der Wallet aus einer Sequenz von 12 bis 24 zufälligen englischen Wörtern erzeugt. Diese Sequenz muss man sich gleich exakt aufschreiben, damit man bei einer Neuinstallation der Wallet wieder den gleichen privaten Schlüssel erzeugt. Das ist wichtig, denn nur damit kommt man an die darin enthaltenen Coins. Und natürlich sollte die vor anderen geheim gehalten werden. Wallets gibt es als Hardware-Stick, als Desktop-Programm, Firefox-Plugin, Smartphone App und sogar aus Papier (mit QR-Codes).

Nach dem Verbinden meiner Wallet mit Opensea konnte ich sofort NFTs erzeugen: Dateien hochladen und Metadaten pflegen. Dazu renderte ich einige meiner POV-Ray-Szenen mit höherer Auflösung und Framerate neu und bereitete Zeitlupenvideos auf.

 

Ethereum und Ether

Die Ethereum-Plattform und die Währung ETH (Ether) werden in dem Video von Finanzfluss sehr gut erklärt.

Die „Gasrechnung“

Um die erzeugten NFTs auch für den Handel anzubieten, muss erst noch eine kostenintensive Hürde genommen werden: Das Initialisieren des Opensea-Profils. Das ist einmalig nötig, sobald man für irgend etwas einen Preis festlegen möchte. Die Initialisierung macht das Opensea-Profil mit den nötigen technischen Instanzen des Ethereum-Netzwerks bekannt und erzeugt entsprechende Einträge in der Blockchain.

Das Ethereum-Netzwerk besteht aus vielen einzelnen Knoten, die ständig damit beschäftigt sind, jede einzelne Transaktion an die Blockchain anzuhängen und dies kryptografisch zu versiegeln. Das ist notwendig, damit niemand nachträglich etwas daran ändern kann und z. B. keine Coins doppelt ausgegeben werden können. Dazu lassen viele Freiwillige ihre Computer sogenannte Hashes ausrechnen. Das sind die Miner. Sie bekommen vom Netzwerk dafür die Transaktionsgebühren („Gas“) in GWei gutgeschrieben. Ein GWei ist 1 Milliardstel (1e-9) Ether (ETH). Der ETH-Kurs schwankt stark, aktuell zwischen 3.600 und 4.000 € für 1 ETH.

Nach dem Erstellen der ersten NFTs habe ich angefangen, für das Bezahlen der Initialisierung meines Opensea-Profils zu sparen. Dazu kaufte ich mehrmals kleine Beträge ETH über Coinbase ein, immer zu Zeitpunkten, wenn ich den Kurs für niedrig genug hielt.

Währenddessen hielt ich auf dieser Webseite ausschau, wann die Transaktionskosten niedrig sind.

Es hat etwa drei Wochen gedauert, bis alles gepasst hat um mein NFT-Angebot  für den Handel zu “entkorken”. Soviel hat das gekostet:

397.602 Einheiten x 79,494983204 GWei = 31.605.382,98 GWei = 0,031605 ETH.

Die 397.602 Einheiten sind die Taktzyklen, welche die virtuellen Ethereum-Prozessoren zum Ausführen von Befehlen brauchen. Hier gibt es eine interessante Übersicht, welche Befehle wie viele dieser Einheiten benötigen. Die Gesamtanzahl ergibt sich durch die laufende App.

Die 79,49… GWei war der „Gaspreis“ heute mittag (Sonntag). Unter der Woche sind die 2-3 mal höher. Da macht sich Geduld bezahlt.

Es bleibt spannend und ich freue mich, dass ich es geschafft habe, mit eigenen NFTs einen Fuß in dieser neuen Welt zu haben.

Sven

Sven Wachsmuth wurde 1978 geboren, ist in Emleben bei Gotha aufgewachsen, wohnt seit 2003 in Erfurt. Er experimentiert seit Anfang der 1990er sowohl mit den kreativen Dingen, die man so mit einem Computer anstellen kann als auch mit traditionellen Techniken wie Schreiben, Zeichnen, Fotografie und Modellbau. Inspiration findet er in der Natur und der Geometrie. mehr erfahren

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